Egon Schiele – viel Wirbel um „Wally“

Schiele Wally

Das Bildnis Walburga Neuzil, so der offizielle Name, ist ein Brustportrait der Egon Schiele Geliebten. Es ist mit Öl auf Holz gemalt und nur 32,7cm hoch und 39,8 cm breit. In der Kunstwelt ist das aus dem Jahr 1912 stammende Gemälde als „Wally“ bekannt. Diese Abkürzung führt dazu, dass das Portrait in der Fachliteratur fälschlicherweise als Bildnis Valerie Neuziel genannt wird. Ende des 20. Jahrhunderts sorgte Schieles Wally für viel Wirbel mit dem sich letztendlich die Gerichte befassen mussten um die Besitzverhältnisse zu klären.

Die Geschichte von Schieles Wally

Das Gemälde ging nach dem Tod Schieles und mehrmaligen Besitzerwechsel in den Privatbesitz der Inhaberin der Wiener Kunstgalerie Lea Bondi-Jaray über. Von dort wurde es durch das NS-Regime beschlagnahmt.

Nach dem zweiten Weltkrieg übergaben es die amerikanischen Besatzer dem Bundesdenkmalamt. Es wurde angenommen, dass Wally zu der Schiele Sammlung des ermordeten Zahnarztes Heinrich Rieger gehörte und wurde an dessen Erben weitergegeben.

Die Rieger Erben verkauften die komplette Sammlung, also auch Wally, an die Österreichische Galerie Belvedere. Diese wiederum tauschte Wally mit dem Schiele Sammler Rudolf Leopold, Gründer der Leopold Museum Privatstiftung.

Die Erben von Lea Bondi-Jaray ließen das Bild im Jahr 1998 nach Ende der „Leopold Collection“ Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art als Raubkunst beschlagnahmen.

Der US Supreme Court hob die Beschlagnahmung jedoch auf, da Kunstleihgaben aus Übersee in den USA gesetzlichen Schutz genießen. Dennoch verblieb Wally in der Verwahrung des Gerichts, da die Erben gegen die Einfuhr gestohlener Waren in die USA klagten.

Die Gerichte sollten nun klären, ob Leopold bekannt war, dass es sich um Raubgut handelte. Dieser verstarb jedoch im Zuge der gerichtlichen Auseinandersetzung. Die Leopold Museum Stiftung beschloss daraufhin eine außergerichtliche Einigung mit den Bondi-Jaray Erben herbeizuführen.

Gegen eine Zahlung vom 19 Millionen Dollar verzichteten diese auf jegliche Besitzansprüche und Schieles Wally ging endgültig in den Besitz der Leopold Museum Stiftung über.